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Nürnberger Resolution 2018 fordert mehr Frauen in die Vorstände #FRAUENwollenMEHR

05.12.18


Bündnis fordert Verschärfung des Quotengesetzes
Renate Schmidt: „Die Zielquote Null ist ein Skandal.“
Ulrike Detmers: „Unternehmen werden profitabler mit Quote.“
 
Berlin, 26. Oktober 2018: Mehr Frauen in die Vorstände und oberen Managementpositionen – das fordert die Nürnberger Resolution 2018, die heute in Berlin vorgestellt wurde. Zehn Jahre nach der ersten Nürnberger Resolution und zwei Jahre seit dem Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen (Quotengesetz) wollen Frauen mehr, als die vielfach von Unternehmen gewählte Zielgröße von Null Prozent Frauen in ihren obersten Managementebenen. Unter dem Motto #FRAUENwollenMEHR hat der Verein erfolgsfaktor FRAU e.V. deshalb eine neue Kampagne gestartet. Deren Ziel ist es, wie 2008 bereits, neben vielen Privatpersonen – Frauen wie Männern – fast alle berufsbezogenen Frauenverbände als Unterstützerinnen zu gewinnen und damit politischen Druck aufzubauen.
 
„Eine Unternehmenspolitik mit Zielquote Null ist ein Skandal und schreit nach gesetzlichen Regelungen, die selbstverständlich mit Sanktionen bewehrt sein müssen“, wurde Renate Schmidt, Bundesministerin a.D., bei der Veranstaltung in der Bundespressekonferenz in Berlin deutlich. Mit der Nürnberger Resolution 2018, so Claudia Specht, 1. Vorsitzende von erfolgsfaktor FRAU e.V. (efF), fordere das Frauenbündnis die Regierung auf das Quotengesetz so zu verschärfen, dass es auch bei der Besetzung von Vorständen, Geschäftsführungen und oberen Managementpositionen Wirkung zeigt.
 
Die Vorsitzende des Vereins, der aus dem Engagement der Nürnberger Resolution von 2008 hervorgegangen ist, erläuterte, dass sich das Quotengesetz auf die Zusammensetzung der Aufsichtsräte positiv ausgewirkt habe. Während der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der DAX-30-Unternehmen auf Seiten der Anteilseigner 2009 noch 6,54 Prozent betragen habe, sei dieser laut einer Auswertung des Deutschen Juristinnenbundes inzwischen auf 30,65 Prozent gestiegen. „Doch bei den im Gesetz vorgeschriebenen selbstgesetzten flexiblen Frauenquoten für die Vorstands- bzw. Geschäftsleitungsebene ist von den politisch gewollten ambitionierten Zielen nichts zu sehen“, so Specht.
 
Ramona Pisal, PastPresident Deutscher Juristinnenbund e.V. und Leiterin des Projektes „Aktionärinnen fordern Gleichberechtigung“ ergänzte, „im Gegenteil, viele Unternehmen unterlaufen die gesetzliche Verpflichtung, verbindliche Ziele für mehr Frauen in allen Führungsebenen zu formulieren, indem sie als Zielgröße Null angeben. Das dürfen wir ihnen nicht durchgehen lassen. Es geht um Macht, Geld und Einfluss. Darum geht es letztlich, und nichts davon wird freiwillig geteilt.“
 
Prof. Dr. Ulrike Detmers, Gesellschafterin, Geschäftsführungsmitglied und Frauenaktivistin, verwies auf die Selbstverpflichtung der Wirtschaft von 2001: „Das Papier war Makulatur. Nur schöne Worte bringen nicht mehr Frauen in die Führungsetagen, dazu sind gezielte Maßnahmen nötig, beispielsweise bei der Rekrutierung in Unternehmen.“ Als Wirtschaftsprofessorin sei ihr das Thema sehr wichtig, weil durch die Besetzung von Gremien mit Männern und Frauen die Unternehmen wettbewerbsfähiger und profitabler würden. „Die Gremienkultur in den Unternehmen wird sachorientierter und kompetenter, wenn Frauen in die zuvor männerdominierten Vorstands- und Geschäftsleitungsebenen vorrücken – das Balzen hört auf.“
 
Prof. Dr. Martine Herpers, Initiatorin der Nürnberger Resolution 2008, erinnerte sich: „Rückblickend kann gesagt werden, dass 2008 mit der Nürnberger Resolution die Revolte der Frauen in Fach – und Führungspositionen begann. Aber auch danach ging es weiter mit vielen Aktionen des neu gegründeten Vereins erfolgsfaktor FRAU und vielen weiteren Neugründungen von ProQuote-Vereinen, wie zum Beispiel von den Journalistinnen und Ärztinnen.“
 
Henrike von Platen, CEO/Founder FPI Fair Pay Innovation Lab gGmbH, ist überzeugt: „Gleichstellung ist ein Business Case – das haben viele Unternehmen längst erkannt. Wo ein Wille ist, braucht es keine Quote. Aber wer nicht will, braucht klare gesetzliche Vorgaben. Davon profitieren am Ende alle.“
 
Uta Zech, Präsidentin, Business and Professional Women (BPW) Germany e.V. verwies darauf: „Frauen fehlen in Führungspositionen – das ist ein Grund für 21 Prozent Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern. Wenn Unternehmen nicht freiwillig die Chance ergreifen, mehr Diversität in die Monokultur der Führungsebenen zu bringen, und weiterhin die Zielgröße Null proklamieren, wird sich daran so schnell nichts ändern. Dass Sanktionen ein wirksames Mittel gegen eingefahrene Strukturen und unbewusste Vorurteile sind, hat das Quotengesetz gezeigt. Eine Ausweitung auf entweder börsennotierte oder mitbestimmungspflichtige Unternehmen sowie auf Vorstand und die oberen Managementebenen ist deshalb zwingend erforderlich.“
 
Maren Martschenko, 1. Vorsitzende Digital Media Women: „Als eine der ersten Unterzeichnerinnen der Nürnberger Resolution 2008 und als nationales Frauennetzwerk von Macherinnen aus der Digitalbranche unterstützen die Digital Media Women die Forderungen der Nürnberger Resolution 2018 und die aktuelle Kampagne #FrauenWollenMehr. Sie ist wichtig und leider immer noch notwendig, denn es wurde in den vergangenen zehn Jahren deutlich, dass das freundliche Bitten um Beteiligung nicht die nötigen Veränderungen in einer angemessenen Zeit bringt!“
 
Noch vor dem Start der Kampagne haben folgende bundesweite Organisationen ihre Unterstützung zugesagt:
Business and Professional Women Germany (BPW) e.V.
Deutscher Juristinnenbund e.V. (djb)
Deutscher Ingenieurinnenbund e.V. (dib)
Digital Media Women (DMW)
Verein für Fraueninteressen e.V.
webgrrls e.V.
Fair Pay Innovation Lab gGmbH
.
 
Die Forderungen der Nürnberger Resolution 2018 - #FRAUENwollenMEHR:

•    FÜR ALLE BÖRSENNOTIERTEN UND ALLE VOLL MITBESTIMMTEN UNTERNEHMEN EINE VERBINDLICHE QUOTE VON 30 % FRAUEN IN AUFSICHTSRÄTEN

(das wären etwa 3500 Unternehmen statt jetzt knapp 100).
Werden die 30 % nicht erreicht, bleibt das offene Mandat unbesetzt.
•    EINE VERBINDLICHE SELBSTGESETZTE QUOTE ZUSAMMEN FÜR VORSTAND UND DIE ZWEI OBERSTEN MANAGEMENTEBENEN
für alle Unternehmen, die mehr als 2000 Arbeitnehmer*innen beschäftigen.
Eine Zielquote Null ist nicht zulässig.
Eine Orientierung am Frauenanteil im Unternehmen insgesamt wird empfohlen.
Wird die selbstgesetzte Zielquote nicht erreicht, erhält das Unternehmen keine öffentlichen Aufträge und Fördergelder.
•    FÜR ÖFFENTLICHE BETRIEBE EINE SINNGEMÄSSE ANWENDUNG DER OBEN GENANNTEN VORSCHRIFTEN
•    EINEN ÖFFENTLICH ZUGÄNGLICHEN BERICHT DER BUNDESREGIERUNG IM DREIJÄHRIGEN TURNUS
über die oben genannten Quoten in den einzelnen Unternehmen und öffentlichen Betrieben.
•    DEN AUFBAU UND DIE BEWERBUNG EINES ZENTRALEN PORTALS
in dem sich Frauen eintragen lassen können, die potenzielle Kandidatinnen für Aufsichtsrat, Vorstand und oberste Managementebene sind.
 
 
erfolgsfaktor FRAU e.V.
Natalie Keller
2.Vorsitzende
erfolgsfaktor FRAU e.V.
Wittelsbacherstraße 48
90475 Nürnberg

Telefon: 0175 2402852
Mail: info@erfolgsfaktor-frau.de
URL: www.erfolgsfaktor-frau.de

Vorstand:
1. Vorsitzende: Claudia Specht
2. Vorsitzende: Natalie Keller
Schatzmeisterin: Sigrid Hauenstein
Schriftführerin: Dagmar Kiener
Vereinsregister Amtsgericht Nürnberg VR 200968

Fotos  © efF/Anna Weise


 

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