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Equal Pay, Lohntransparenz und Netzwerk – wohin geht es mit der Frauenpolitik 2015?

Zum Jahresauftakt ein Gespräch mit Angelika Niebler

09.02.15


Die Münchnerin ist für die CSU Europaabgeordnete, Vize-Vorsitzende der Unionsparteien im Parlament, Vorsitzende der Frauenunion in Bayern - und noch immer eine BPW. Sonja Still, Mitglied im Bundesvorstand des BPW Germany und Journalistin, hatte Gelegenheit zum Jahresauftakt beim alljährlichen Empfang der CSU in Wildbad Kreuth ein Interview mit der Politikerin in Sachen Frauen zu führen. Natürlich geht es um Entgeltgleichheit und den Equal Pay Day am 20. März, aber nicht nur - auch um Perspektiven für Frauen in Europa und Lust auf Netzwerk.


BPW Germany: Der BPW steht für Engagement zu Equal Pay in Deutschland. In diesem Jahr hat sich BPW die Forderung nach Lohntransparenz als Thema genommen, das im Fokus stehen wird. Es soll ein Instrument sein, das die Lohnlücke zwischen Frau und Mann schließen soll. Die ist seit Beginn der Statistik annähernd konstant. Was müsste sich ändern, um die Entgeltungleichheit zu überwinden?

Angelika Niebler: Ich halte es für wichtig, dass wir zunächst analysieren, woher die Lohnlücke kommt. Wir müssen auch zwischen bereinigter und unbereinigter Lücke unterscheiden. Untersuchungen zeigen, dass Frauen eben vielfach in Teilzeit arbeiten, es viele Erwerbsunterbrechungen bei Frauen gibt und Frauen gerne  in die klassischen Frauenberufe gehen, die Dienst am Menschen fordern. Diese Berufe – in der Kindererziehung oder in Pflege – sind meist zu gering bezahlt. Und wir müssen auch sehen: die Einstiegsgehälter von Frauen sind geringer und das hat Konsequenzen, die sich durch das ganze Erwerbsleben ziehen. Das hat mich echt erstaunt! Die jungen Menschen kommen doch alle mit der gleichen Qualifikation aus ihren Ausbildungen und von den Universitäten und Hochschulen. Die jungen Frauen machen durchweg gute Abschlüsse. Trotzdem verlangen sie bei ihren Einstellungsgesprächen immer noch ein geringeres Einstiegsgehalt als ihre männlichen Mitbewerber. Ich denke, da müssen wir ansetzen und das Selbstbewusstsein unserer jungen Frauen stärken.

BPW Germany: Stichwort „Entgeltgleichheitsgesetz“ - was muss nach Ihrer Meinung unbedingt aufgenommen werden?

Angelika Niebler:  Ich glaube nicht, dass ein Gesetz in diesem Fall das richtige Instrument ist. Wir haben in den letzten zehn Jahren doch vieles geleistet. Es gibt das Elterngeld, das Elterngeld plus, die Ganztagsbetreuung - auch in Bayern! Wir wollen junge Frauen für die MINT-Berufe begeistern, um mehr Frauen in die technischen Berufe zu bringen. Ich glaube, diese Maßnahmen bewirken mehr, als ein Rechtsanspruch, gerichtet auf die Offenlegung von Gehältern oder Gehaltsstrukturen.

BPW Germany: Dennoch meinen wir, dass Gehaltstransparenz  eine zentrale Voraussetzung ist, um die Lohnlücke von 22% endlich zu schließen. Denn nur wenn Frauen und Männer gleichermaßen wissen, was in ihrem Unternehmen oder ihrer Branche in vergleichbarer Position tatsächlich verdient wird, können sie die eigenen Gehaltsforderungen überzeugend vertreten und ihren Anspruch auf eine gerechte Entlohnung durchsetzen.

Angelika Niebler: Ich glaube, mit einem Entgeltgleichheitsgesetz wird nicht viel bewirkt. Ich befürchte vielmehr, wir schaffen damit wieder ein neues Bürokratiemonster. Wenn mit Paragrafen Transparenz gefordert wird, dann müssen Unternehmen Daten dokumentieren, analysieren und veröffentlichen. Das ist ein großer Aufwand, der in großen Konzernen noch zu leisten ist, nicht aber bei kleineren Unternehmen. Auch habe ich die Sorge, dass wir am Ende des Tages eher eine Neiddiskussion in den Unternehmen fördern, als in der Sache wirklich einen großen Sprung nach vorne zu machen. Wir haben doch in den Unternehmen Betriebsräte. Diese sind über die Gehaltsstrukturen informiert und können doch bei der Einstellung von Personal darauf hinwirken, dass Gehälter unabhängig vom Geschlecht bezahlt werden. Die Betriebsräte sind bei der Lohntransparenz mehr in die Pflicht zu nehmen.

BPW Germany: Sie haben mit der FU maßgeblich die Mütterrente durchgesetzt. Was wird künftig Ihr Fokus in der Frauenpolitik sein?

Angelika Niebler: Es gibt noch viel zu tun, um die Lage der Frauen zu verbessern. Wir wollen und müssen auch über den Tellerrand hinausschauen. Zunächst haben wir Themen im Blick, mit denen wir uns seit Jahren auseinandersetzen, wie die Überarbeitung des Prostitutionsgesetzes und den Kampf gegen Kinderpornografie. Aber auch die Lage von Migrantinnen müssen wir in den Fokus nehmen. Wie können wir sie besser integrieren? Man sieht in den Medien immer nur Männer, die nach Bayern kommen. Aber wir haben auch viele Frauen. Wie schaffen es die Frauen hier Fuß zu fassen? In einer für sie ganz anderen Kultur?
Über den Tellerrand hinausschauen heißt auch: Wir müssen die gesellschaftlichen Veränderungsprozesse für Frauen umfassender begleiten. Warum gehen denn die Zahlen von Frauen auf Führungsetagen zurück, obwohl wir seit Jahren die Rahmenbedingungen verbessert haben? Vor 4 Jahren hatten wir mehr weibliche Führungskräfte in Vorständen als jetzt. Da habe ich keine Erklärung. Ich finde es erschreckend, dass die Zahl der weiblichen Vorstandsmitglieder zurückgegangen ist, obwohl wir die Förderung von Frauen seit Jahren im Fokus haben. Es muss auch andere Gründe geben,  denn die Zahlen sprechen eine  deutliche Sprache.

BPW Germany:  Ein Argument, das wir oft hören, ist, dass wir von Anteilhabe auf Vorstandsebene sprechen, aber nichts für die Frauen im „Mittelbau“ machen. Also die, die das normale Leben mit dem normalen Job vereinbaren und darum kein weiblicher Führungskräftenachwuchs da ist.

Angelika Niebler: Da kommen wir wieder zu unserem Ausgangspunkt: Frauen beginnen mit weniger Gehalt und versuchen dann, Familie und Beruf zu vereinbaren. Das heißt, sie sind nicht so mobil, so flexibel, so international, weil sie auch bei ihren Kindern sein wollen. Familie ist leider vielfach noch ein Karrierehindernis. Und viele Frauen begreifen oft erst, wenn sie für Familienzeit ihre Auszeit nehmen und zurück in den Job wollen, dass die Gleichberechtigung der Frau doch noch immer ein Thema ist.

BPW Germany:  BPW Germany ist Teil eines internationalen Netzwerks - wie wichtig sind Ihrer Ansicht nach Frauennetzwerke? Und was kann die Vernetzung auf EU-Ebene bringen bzw. was ist notwendig?

Angelika Niebler: Ich halte Frauennetzwerke für ganz wichtig - ich bin ja selbst seit meinem Studium in der Schweiz schon BPW Mitglied, meine Schwester hatte mich damals animiert. Auch ich halte internationale Netzwerke halte ich für interessant, weil man sich Anregungen holt, weil man Themen aus unterschiedlichen nationalen Perspektiven diskutieren kann. Österreich oder Belgien waren z.B. beim Thema Ganztagsbetreuung schon länger aktiv. Da konnte man sich einiges abschauen. Die Situation der Frauen ist in vielen Ländern Europas vergleichbar. Man lernt auch voneinander. Wenn ich sehe, wie selbstbewusst französische Frauen hier im Parlament unterwegs sind oder welche Rolle und Stellenwert die Frau in ihren nationalen Gesellschaften spielen, finde ich das ausgesprochen interessant. Kurzum: Frauennetzwerke sind wichtig, sie sind große Impulsgeber.

BPW Germany: Wir stellen fest, dass junge Frauen etwas weniger zu motivieren sind, sich für Genderthemen einzusetzen. Ein oft gehörtes Argument ist, „ich bin keine Emanze, ich kann auch so alles erreichen“. Die älteren dagegen finden sich manchmal nicht wieder, in dem was die Mittleren beschäftigt. Wie können wir  „die Jungen“ motivieren und „die Alten“ würdigen?

Angelika Niebler: Ich denke, dass Ihre Beobachtung richtig ist. Ich glaube, dass wir mehr Solidarität untereinander üben sollten. Ich nehme es keiner jungen Frau übel, wenn sie beispielsweise gegen die Frauenquote ist. Aber wenn es Frauen gibt, die sich dafür einsetzen, dann sollte es ein Gebot der Fairness sein, sich über diese Aktivitäten nicht herablassend zu äußern oder sich auf Kosten der engagierten Frauen zu profilieren. Die Vehemenz, mit der junge Frauen manchmal formulierten, dass sie gegen die Quote sind, war für mich nicht nachvollziehbar und provokativer. formuliert, als ich sie von Männern gehört hatte. Wir Frauen sollten die Konfrontation untereinander suchen und uns mehr solidarisch zeigen. Ich wünsche mir ein Stück mehr Geschlossenheit, dann wären wir Frauen noch erfolgreicher.


Info:
Angelika Niebler wird im Herbst 2015, am 05. November 2015, Gast bei BPW München sein. Genaue Infos teilen wir auf der Website mit.
 


 

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