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Selber schuld!

Gastkommentar von Dr. Christoph Fasel



Ja, ich bin so frech, es zu sagen: Wenn Frauen sich darüber beklagen, dass sie weniger verdienen als Männer, hat das nicht in vielen Fällen damit zu tun, dass sie sich selbst Barrieren bauen bis zum Abwinken?

Sie meinen, das sei übertrieben? Diese Behauptung sei dreist? Und höchstens eine Schutzbehauptung jener Männer, die die Bastionen Ihres Lohnabstandes mit Zähnen und Klauen gegenüber den an Ihre Arbeitsplatz-Domänen andrängenden Frauen gegenüber verteidigen wollen?

Leider nein. Meine These lautet: Neben aller festellbaren institutionalisierten Benachteiligung, neben den Benachteiligungen, die Frauen wegen ihrer häufig zugunsten der Kindererziehung unterbrochenen Erwerbsbiographien immer noch hinnehmen müssen, neben allen Unterbrechungen für die wichtige Familienarbeit der Pflege von Angehörigen: Es gibt zu diesen Gründen zusätzlich noch ein zutiefst weibliches Kommunikationsverhalten, das immer noch überkommenen Rollenklischees entsprungen zu sein scheint.

Wie äußert sich dieses Verhalten? Am einfachsten kann ich das vielleicht anhand meiner mittlerweile 26jährigen Lehrerfahrung an Universitäten,  Journalistenschulen und Akademien nachvollziehen. Nehmen wir nur eine einzige idealtypische Szene: Da sind zwei Studenten am Start:

Nummer Eins ist ein  junger, lässiger Mann, nennen wir ihn Adam, Typ Sunnyboy, smart im Auftreten, Dreitagebart. Ich weiß, er hat nicht fünf Minuten an Arbeit in das gleich von ihm abverlangte Referat investiert, das ich bei ihm vor drei Wochen als Leistungsnachweis bestellt habe. Ich weiß: Er ist der größte Schaumschläger des Kurses. Und ich weiß, dass er weiß, dass ich es alles das als sein Professor weiß.

Dennoch steht der junge Mann entspannt auf, geht zum Podium, schaut seine Kommilitonen mit sicherem Blick an und beginnt mit einem Satz wie: "Wahrscheinlich habt Ihr alle noch nie etwas vom Gebrauch des hysteron proteron in der Rhetorik des Hochdeutschen gehört. Aber keine bange: In einer Viertelstunde seid Ihr schlauer. Ich werde es Euch nämlich kurz erklären!"
Und dann legt Adam los: Alles zwar abgekupfert aus Wikipedia, aber mit einer solch charmanten Verve, dass ich als sein Professor sagen muß: Das hat er zumindest in der Haltrungsnote perfekt hingelegt. Wenn er auch in Wirklichkeit nicht einen blanken Schimmer von seinem Thema hatte .

Nun tritt Nummer zwei an, eine Kandidatin, nennen wir sie Eva: Ich kenne sie als etwas verschüchtert, aber sehr ernsthaft und interessiert, als jemanden der sich leidenschaftlich in jedes Thema reingräbt, das ihr unter die Finger kommt.
Nun tritt sie auf: Mit etwas scheuem Blick in die Runde, in den Händen knetet sie das Konzeptpapier. Ich weiß: Sie hat mindestens zehn Stunden reine Arbeitszeit in ihr Referat investiert. Doch einen Zugewinn an Sicherheit in der Präsentation scheint ihr das nicht gebracht zu haben. Im Gegenteil. "Bevor ich anfange, will ich nur sagen, das ist ein schwieriges Gebiet und ich bin mir nicht sicher. ob….." und so geht das weiter. Noch bevor sie überhaupt den Versuch gestartet hat, Ihre Sachkenntnis unter Beweis zu stellen, hat sie sich gleich ein halbes Dutzend Mal selbst abgewertet: "Ja, und ich glaube …. dann sage ich mal, was ich herausgefunden habe, auch wenn es sicherlich noch eine Menge weiteer Aspekte zu bedenken gäbe…"

Lieber Gott im Himmel! Schenke Eva Selbstvertrauen! Sie schöner, klüger, weiser, nachdenklicher, fleißiger als der testorsterongetriebene Bengel Adam. Aber gerade der wird so lange die Meriten bei allen öffentlichen Auftritten abfrühstücken, so lange Eva nicht in der Lage ist, endlich, endlich Ihr altes Rollenspiel zu verbannen. Dieses Rollenspiel heißt schlicht:  "Mein-Licht-unter-den-Scheffel-stellen".

Meine Damen, ich bitte Sie: Seien Sie selbstbewusst. Erklären Sie mir und anderen bitte nicht immer zuerst, was sie gerade alles NICHT gemacht haben. Sondern starten Sie los mit ihrer Botschaft. Gerade. Klar. Unerschrocknen. Schnörkellos. Ohne zwanzig Verweise, was sie sonst noch alles eigentlich hätten machen können, damit es dann noch besser geworden wäre….

Wenn Sie flächendeckend so vorgehen, verehrte Damen der Schöpfung, könnten  wir den Equal Pay Day vielleicht in zwei, drei Jahren am 21. Februar feiern.

Oder, noch viel besser: Gleich an Neujahr!


Dr. Christoph Fasel ist Medienwissenschaftler und wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Verbraucherjournalismus an der Hochschule für Wirtschaft und Medien in Calw.


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